Orgelkonzert mit Nikita Morosow

Klangvolle Sommermatinee in Herz Mariä – Nikita Morozow aus Moskau begeistert mit barocker Orgelmusik

Klangvolle Sommermatinee in Herz Mariä – Nikita Morozow aus Moskau begeistert mit barocker Orgelmusik

Diedorf. Mit einem eindrucksvollen Orgelkonzert begeisterte der international tätige Organist Nikita Morozow am Sonntag in der Pfarrkirche Herz Mariä in Diedorf zahlreiche Besucher. Im Rahmen eines sommerlichen Konzertabends entführte der junge Künstler sein Publikum in die Klangwelt des nord- und süddeutschen Barock und stellte dabei seine außergewöhnliche Virtuosität ebenso wie sein feines Gespür für musikalische Gestaltung unter Beweis. Das Konzert war Teil der kirchenmusikalischen Veranstaltungsreihe der Pfarrei, um auf den neu gegründeten Orgelbauverein e.V. für den Neubau einer Kirchenorgel aufmerksam zu machen.

Das Programm begann mit dem Präludium e-Moll von Dieterich Buxtehude, dessen kraftvolle Architektur und kontrastreiche Klangsprache Morozow mit großer Ausdruckskraft interpretierte. Es folgte die selten zu hörende Toccata da sonarsi alla levazione g-Moll von Johann Jakob Froberger, deren meditativer Charakter den Kirchenraum in eine beinahe kontemplative Atmosphäre tauchte.

Den Abschluss bildete Johann Pachelbels Aria sexta „Sebaldina“ aus dem berühmten Zyklus Hexachordum Apollinis. Mit fein abgestufter Registrierung und eleganter Linienführung ließ Morozow die Variationen lebendig werden und zeigte eindrucksvoll, weshalb dieses Werk zu den Kostbarkeiten der deutschen Barockmusik zählt.

Das Publikum dankte dem Organisten mit lang anhaltendem Applaus. Viele Konzertbesucher zeigten sich beeindruckt von der Verbindung aus technischer Brillanz und musikalischer Tiefe, mit der Morozow die historische Literatur interpretierte.

Das Konzert unterstrich zugleich die Bedeutung der Kirchenmusik in Herz Mariä. Die Pfarrei engagiert sich seit einiger Zeit verstärkt für den Erhalt und die Erneuerung ihrer Orgel und veranstaltet regelmäßig hochwertige Konzerte mit renommierten Gastorganisten. Morosow betonte, dass er bei der Konzertvorbereitung auch an die Grenzen der Orgel stieß, da seine vorgesehenen Registrierungen nicht umsetzbar waren, da es nicht die Vielfalt an Registern an der bestehenden Kirchorgel gibt.

Für den zweiten Teil des Konzerts änderte sich der Charakter deutlich: Nach den romantisch geprägten Werken von Louis Lewandowski und Jacques-Nicolas Lemmens bildete Johann Sebastian Bachs „Toccata, Adagio und Fuge C-Dur“, BWV 564, den krönenden Abschluss.

Bereits die Toccata entfaltete mit ihren virtuosen Läufen und markanten Akkorden große Brillanz. Der Organist nutzte die Möglichkeiten der Orgel wirkungsvoll aus und ließ die kontrastreichen Passagen plastisch hervortreten. Dem folgte das ungewöhnliche Adagio, ein inniger, beinahe kammermusikalischer Mittelsatz. Seine gesangliche Melodik und die ruhige Begleitung schufen einen Moment der Sammlung, bevor die abschließende Fuge mit ihrem klar gezeichneten Thema den Bogen zur Eröffnung spannte. In ihrer stetigen Steigerung führte sie das Werk zu einem kraftvollen und überzeugenden Schluss.

Einen besonderen Akzent setzte zuvor die Auswahl aus Louis Lewandowskis „Synagogen-Melodien“ op. 47 (Nr. 3–5). Lewandowski verband traditionelle jüdische Liturgie mit der Klangsprache der deutschen Romantik und war einer der ersten Komponisten, die der Orgel im liberalen Synagogengottesdienst eine bedeutende Rolle zuwiesen. Dadurch entstand eine Musik, die einerseits von schlichter Andacht geprägt ist, andererseits aber einen warmen, romantischen Klang entfaltet. 

Mit Lemmens’ „Offertoire sur l’honneur de la Sainte Vierge“ stand dem eine repräsentative Komposition der französisch-belgischen Orgelschule gegenüber. Das Werk überzeugte durch seinen sanglichen Ton, elegante Registrierung und einen festlichen, zugleich lyrischen Charakter, der einen reizvollen Kontrast zu Lewandowskis jüdischer Sakralmusik und Bachs barocker Meisterschaft bildete.

So spannte das Konzert einen eindrucksvollen Bogen über nahezu zwei Jahrhunderte Orgelmusik. Die Gegenüberstellung jüdischer und christlicher Sakralmusik des 19. Jahrhunderts mit Bachs zeitloser Polyphonie verlieh dem Programm eine besondere inhaltliche Geschlossenheit. Das Publikum erlebte nicht nur die stilistische Vielfalt der Orgel, sondern auch ihre Fähigkeit, unterschiedlichste geistliche Traditionen in einem Konzert miteinander zu verbinden.


Simone Mittermeier

23.07.2026